Tierversuche finden nicht nur in Forschungs- und Testlaboren statt. Auch an deutschen Hochschulen und Universitäten werden Jahr für Jahr Tausende von Tieren in der Lehre gequält und getötet. Oft werden Studenten gezwungen, Versuche an lebenden Tieren durchzuführen, obwohl die Ergebnisse längst bekannt sind und in jedem Lehrbuch stehen.
So wird den Wissenschaftlern von morgen schon in den ersten Semestern beigebracht, Tiere als Verbrauchsmaterial zu betrachten, ihre Schmerzen und ihren Tod als unvermeidbar hinzunehmen und das eigene schlechte Gewissen oder wissenschaftliche Zweifel auszublenden. (1)

Die Studenten, die sich aus ethischen oder moralischen Gründen weigern, an solchen Pflichtübungen teilzunehmen, erwarten oft zähe Auseinandersetzungen mit den zuständigen Dozenten bis hin zur Hochschulleitung. Aus Angst davor, ihr Studium nicht zu bestehen, oder in Prüfungen schlechter bewertet zu werden, entscheiden sich viele für „Augen zu und durch“. Aber nicht nur bei Übungen, in denen an lebenden Tieren experimentiert wird, sondern auch in einem anderen Bereich geraten die Studenten in Konflikt mit ihrem Gewissen: Der sogenannte „Tierverbrauch“ beinhaltet auch Lehrveranstaltungen, die zwar vom Gesetz her nicht als „Tierversuch“ betrachtet werden, aber die den Tod von Tieren voraussetzen. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Anatomiekurse, bei denen die Studenten Tiere sezieren, die extra für diesen Kurs von der Hochschule getötet wurden. Auch diese Praxis ist leider immer noch gang und gäbe.

Betroffen von „Tierverbrauch“ und Tierversuchen in der Lehre sind vor allem die Studiengänge Biologie, Tiermedizin und Humanmedizin. Aber auch in Studiengängen wie Landschaftsökologie, Biochemie oder Ernährungswissenschaften kann es vorkommen, dass Experimente an lebenden Tieren oder Sezierübungen durchgeführt werden müssen. PETA fordert, dass Tierversuche und „Tierverbrauch“ in der Lehre vollständig abgeschafft und durch die vielen vorhandenen, überlegenen, tierfreien Lehrmethoden ersetzt werden.

Was für Versuche werden gemacht?

Um was für Tiere handelt es sich?

Je nach Studiengang und Uni gibt es leider ein breites Spektrum an Tierarten, die für die Lehre missbraucht werden. Angefangen bei Wirbellosen wie Stabheuschrecken über Frösche, Regenwürmer und Fische, bis hin zu Kaninchen, Hühnern, Katzen, Ziegen und Pferden. Vor allem im Tiermedizinstudium werden auch große Säugetiere seziert, die zum Teil nur für diese Übungen von der Hochschule aufgekauft und getötet werden. Schweine werden gezwungen, auf einem Laufband zu rennen, fast bis zur Erschöpfung, und Rinder, denen ein künstliches Loch in die Bauchwand operiert wurde, werden jahrelang immer wieder von Studenten benutzt, um Pansensaft abzuzapfen und zu untersuchen. Im Biologiestudium werden Mäuse und Fische seziert, die ebenfalls extra für die Anatomiekurse ihr Leben lassen. Physiologische Übungen an Wirbellosen sind oft besonders grausam. So werden Tiere an den Flügeln auf Wachsbretter gepinnt oder der Länge nach aufgeschnitten, während sie bei vollem Bewusstsein sind. Aufgrund einer Lücke im Tierschutzgesetz, die diesen empfindsamen Tieren nicht den gleichen Schutz zumisst wie Wirbeltieren, sind solche Praktiken sogar erlaubt. In der Humanmedizin gibt es immer noch vereinzelt Fortbildungskurse am „Tiermodell“, wo bei lebenden Schweinen zum Beispiel künstlich eine tödliche Blutvergiftung ausgelöst wird, damit junge Mediziner die Effekte beobachten können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sind diese Übungen nicht notwendig, um gute Mediziner und Biologen auszubilden?

Was gibt es für Alternativen?

Studien zeigen immer wieder, dass eine Kombination aus modernen, tierfreien Lehrmitteln mit praktischen Übungen der beste Weg ist, junge Mediziner und Naturwissenschaftler gezielt auf ihren Beruf vorzubereiten. Um dies etwas genauer zu erläutern, muss man zwischen den einzelnen Studiengängen und Fächern differenzieren.

 

Für die Anatomiekurse von Biologen und Tiermedizinern ist eine gründliche theoretische Vorbereitung mittels Vorlesungen, Fotos, Videos und Büchern natürlich unerlässlich. Um einen plastischen Eindruck der tatsächlichen Anatomie zu bekommen, eignen sich lebensechte Modelle, plastinierte Präparate oder konservierte Körper von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind oder aufgrund einer Krankheit von ihren Leiden erlöst werden mussten und anschließend von ihren Haltern der Lehre zur Verfügung gestellt wurden. Kein Tier muss extra für solche Übungen getötet werden!
Die Versuche, die in Physiologie-Übungen Semester für Semester wiederholt werden, sind wahrlich keine wissenschaftliche Offenbarung. Die Ergebnisse sind seit Jahrzehnten bekannt. Anstatt also in Zweiergruppen die Reizleitung an den zuckenden Nerven „frischtoter“ Froschbeine zu beobachten, kann man diesen Versuch genauso gut als Video anschauen, oder noch besser, als App auf dem Smartphone oder Tablet oder mittels interaktiver Computerprogramme. Auch das Sezieren ist mittlerweile via „E-Learning“ am PC möglich; ein großer Vorteil ist, dass solche Programme Feedback geben und Wiederholungen ermöglichen, bis der Student für den nächsten Schritt bereit ist.
Auch für Lehrveranstaltungen, die die sogenannten „klinischen“ Fähigkeiten angehender Human- / Tiermediziner trainieren sollen, sind Tierversuche und Tierverbrauch der falsche Weg. Für Humanmediziner sind sie ohnehin vollkommen ungeeignet, da die anatomischen und physiologischen Unterschiede zwischen Mensch und Tier den Lerneffekt zunichtemachen – wer möchte schon von einem Chirurgen operiert werden, der an Schweinen und Ziegen geübt hat, statt am Menschen? Hier gilt – ebenso wie bei angehenden Tierärzten – nach einer sehr sorgfältigen theoretischen Ausbildung wieder die Übung an Modellen und computersimulierten lebensechten Puppen als beste Vorbereitung, bevor die Studenten dann erfahrenen Chirurgen und Klinikern über die Schulter schauen und später auch assistieren dürfen. Nur so lernen sie die wirklich praxisrelevanten Aspekte und sie gehen ihnen in Fleisch und Blut über. Modelle, Simulatoren, Computerpuppen, Filme, interaktive Video- und Multimediacomputersimulationen werden immer beliebter – aus gutem Grund. (2) Sie sind nicht nur ethisch korrekt, sondern erlauben den Studenten auch, Übungen zu wiederholen und in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Laut Jonathan Balcombe von der Humane Society der Vereinigten Staaten fand man bei einer Durchsicht veröffentlichter Studien, die tierfreie Lehrmethoden bewerteten, heraus, dass „Alternativen genauso gut oder besser als traditionelle Tiermethoden in der allgemeinen Biologie (8 Studien), Physiologie und Pharmakologie (5 Studien), Medizin und anverwandten Berufen (4 Studien) und in der Veterinärmedizin (15 Studien) abschnitten.“ (3)

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Mit dieser Downloadbroschüre will PETA Lehrenden sowie Studierenden Gründe und Möglichkeiten für ein Studium ohne Tierleid vermitteln.

 

 

 

 

 

Quellen:

1) Nick Jukes, „Why Replacement?“ Interniche Conference, Brussels, February 2001.
2) Jukes
3) Jonathon Balcombe, „Beyond Tradition: Why Alternatives Are Better Learning Tools“, Interniche Conference, Brussels, February 2001